Review For Honor: Marching Fire

Ich würde behaupten, dass «For Honor» bei seinem Release am letztjährigen Valentinstag einen wackeligen Anlauf verzeichnete. Der Start lief alles andere als reibungslos ab und viele Spieler prallten sofort wieder ab. Jetzt soll sich das aber ändern: Mit der Ankunft von «Marching Fire», der ersten grossen Erweiterung von Ubisoft, soll der Mangel an Spielmodi ausgemerzt werden.

Bis vor dem Release von «Marching Fire» kamen die treuen Spieler in den Genuss von sechs neuen Helden, acht neuen Karten und einer Menge neuer Add-ons. Reichend vom gewerteten Modus über den überarbeiteten Fraktionskrieg, bis hin zum umfassenden Trainingsmodus. All dies mit den im Hintergrund laufenden Balancing-Changes, sowie der aktiven Kommunikation zwischen den Machern und der Community, wiederspiegelt sich im derzeitigen Meilenstein von 15 Millionen Spielern.

Im Vergleich zu früheren Inhaltsänderungen nimmt «Marching Fire» einen anderen Ansatz: Bislang bot «For Honor» einen saisonalen Pass an, wie man ihn aus «Player Unknown’s Battleground» oder «Fortnite» kennt. Die Herausforderer des saisonalen Passes konnten neue Helden erspielen, ohne in die Tasche greifen zu müssen. Wer sich nicht für das Bonuspaket entschied, kam dennoch in den Genuss von neuen Karten, Modi und Spielfunktionen.

«Marching Fire» ist also der Name für die neue Erweiterung, wie auch des neuesten kostenlosen Updates für «For Honor». Käufer des DLC schalten sofort die vier neuen Wu Lin Helden frei und erhalten exklusiven Zugang zum Spieler gegen Umfeld (PvE) Arcade Modus. Die Unentschlossen gehen jedoch nicht leer aus: alle Spieler können im belagerungsähnlichen Modus teilnehmen und profitieren von einer Reihe an Änderungen und Verbesserungen auf breiter Front. Langzeitspieler können mit ihrem hart verdienten Stahl ebenfalls die Wu Lin Helden freischalten, jedoch erst nach einem Exlusivitätsfenster von zwei Wochen.

Was ist jedoch dieser PvE Arcade Modus und lohnt es sich dafür die Erweiterung zu kaufen? Seit der Veröffentlichung von «For Honor» liegt der Schwerpunkt im kompetitiven Bereich des Spielers gegen Spieler (PvP). Stetig sucht das Publikum nach neuen Möglichkeiten, besseren Kombinationsangriffen und schnelleren Bewegungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Viele hungerten nach PvE- und Coop-Inhalten, um gemeinsam gegen die künstliche Intelligenz antreten zu können. Die Antwort darauf soll nun die neue Spielwiese bringen: Entweder im Alleingang oder mit einem online Freund durchlauft man eine Reihe von Herausforderungen, welche aus zufällig generierten Gegnern und Modifikationen besteht. Dies führt zu einer Vielzahl an unterschiedlichen Begegnungen. In einer Runde könnte man beispielsweise gegen einen Mönch mit doppelter Gesundheit antreten, in der Nächsten wird man in Brand geraten, oder muss mit erhöhtem Ausdauerverbrauch kämpfen. Vielleicht auch alle drei auf einmal.

Die Idee dahinter ist, dass der Spieler eine endlose Serie von Herausforderungen angehen kann, welche - je nach Fortschritt und Schwierigkeitsgrad - bessere Belohnungen bereit halten. Trotz der Abwechslung war das Kämpfen gegen die computergesteuerte Intelligenz kein Highlight für mich. Die Kämpfe fühlten sich entweder hirntot oder unantastbar an, niemals replizierte sich der Nervenkitzel, einem menschlichen Gegner gegenüberzustehen.

Was seit Ankündigung für mich im Mittelpunkt stand sind die vier neuen Wu Lin Helden. Inspiriert durch die berühmten Krieger der alten chinesischen Überlieferung stehen Tiandi, Shaolin, Jiang Jun und Nuxia für den Spieler zur Verfügung. Jeder der genannten Helden lässt sich durch die Einzigartigkeit seiner Waffe und Bewegungssätze differenzieren. Die Erweiterung der Charakterliste in «For Honor» hat dieselbe Konsequenz wie in etwa «Street Fighter» oder «Tekken»: mit neuen Helden folgen neue Mechanismen und Lernstrategien, welche die aktuelle Meta beeinflussen. Nachfolgend werden die neuen Helden vorgestellt, die Reihenfolge entspricht dem Schwierigkeitsgrad (von simpel bis kompliziert):

Der Tiandi ist ein agiler Klassenheld und von den vier neuen Helden aus meiner Erfahrung der Einfachste zum Kontrollieren. Mit dem sogenannten Dao – einer Falchionklinge, welche ein- oder zweihändig bedient werden kann – ist er ein flexibler Allrounder mit gewissen Tricks im Ärmel. Mit beispielsweise seinem Palmschlag oder Drachentritt werden seine Wu Lin Kampfkünste demonstriert.

Allem Anschein nach sieht der Jiang Jun ausser Form und scheint nicht wirklich in seiner Blütezeit zu sein. Der erste Eindruck täuscht jedoch: dieser Krieger kann eine tödliche Ergänzung im Repertoire des Spielers sein. Sein Guandao bietet mehr Reichweite als die meisten Waffen und lässt zögerliche Gegner, die nicht fähig sind die Lücke zu schliessen, keine Chance. Die langsamen Angriffe des Wu Lin Generals sind jedoch sehr telegraphiert. Erst mit dem Meistern dieser Klasse, vor allem seiner einzigartigen Haltung, welche beim Ausweichen sogar Energie regeneriert, ist der Jiang Jun eine lebensfähige Option für den kompetitiven Wettkampf. Für mich war dieser Held jedoch mehr frustrierend als geniessbar, denn gegen eingespielte Gegner hatte ich kaum eine Chance.

Der Nuxia ist das Wu Lin Pendant zum bisher bekannten Peacekeeper, meinem Lieblingshelden in «For Honor». Eine nuancierte Attentäterin, die starke Konzentration und scharfe Reflexe erfordert, um sie zu meistern. Mit ihren hakenförmigen Klingen kann sie einen Gegner, der etwa versucht zu blocken oder parieren, einhaken und ihn für eine Nachverfolgung offenhalten. Es ist eine eigenartige Mechanik und diejenigen, die gegen eine Nuxia kämpfen, werden gezwungen sein, ihre Verteidigungstaktik zu überdenken, wenn sie auf sie stossen. Es war mir stets eine Freude mit gefährlichen Psychospielchen die Gedanken meines Gegenübers zu schikanieren.

Von allen neuen Helden verkörpert der Stab schwingende Shaolin die Wu Lin am Meisten. Der kahle Mönch ist aufgrund seiner einzigarten Qi-Kampfhaltung der am schwierigsten zu beherrschende neue Held. Anstatt mit dem Angriffsknopf seine Wucht zu entladen, kann der Spieler die Energie zurückhalten und den nächsten Angriff überladen. Dies kann ein nicht blockbarer Überkopfschlag, ein trügerischer Side Sweep oder sogar ein Affentritt sein. Die Schwierigkeit liegt darin, präzises Timing zu haben, sowie den nächsten Zug des Gegners erraten zu können. Vor dem Mass an Details und den überaus flüssigen Bewegungen, welche die Entwickler in den Shaolin gesteckt haben, kann ich bloss den Hut ziehen.

Alles in allem bringt «Marching Fire» frischen Wind in Ubisoft’s «For Honor». Die neuen Helden wirken authentisch und haben grösstenteils eine starke Lernkurve. Die Bandbreite der Details, welche das Kunstteam in jede Phase, jeden Charakter und jedes Stück Ausrüstung eingebracht haben, ist bewundernswert. Für mich einer näheren Inspektion würdig sind insbesondere die Wu Lin Waffendesigns, welche faszinierend und apodiktisch aussehen.

Das Update bringt auch visuelle Verbesserungen in der Grafik: die hochdetaillierten Texturen, dynamische Beleuchtungen und Wetterbedingungen bringen willkommene Abwechslung auf die verschiedenen Maps.

Fazit

In gewisser Weise fühlt sich «Marching Fire» wie eine Feier an, welche all die harte Arbeit seit Release von «For Honor» mit dem grössten und besten Content Drop aller Zeiten abschliesst. Gleichzeitig markiert es eine weitere Weggablung und zwar eine, die das Spiel voller Elan angehen kann, nachdem es die Gespenster, welche For Honor in den jungen Tagen heimsuchten, abgeschüttelt hat.

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Game

For Honor: Marching Fire

For Honor: Marching Fire


Spieler offline
1
Spieler online
8
Release
11/2018
Format
PAL
Genre
Action
Studio
Ubisoft Montreal
Publisher
Ubisoft
Offizielle Webseite
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Autor

Patrick Huber

(G)net Score

82

 

Graphics
92
Sound
87
Gameplay
82
Umfang
84

(G)community Score

0

 

Graphics
0
Sound
0
Gameplay
0
Umfang
0

Positiv


  • Neue Charaktere bringen frischen Wind in den Krieger-Alltag
  • Neue Kareten, Wetterbedingungen und Kampfmechaniken
  • Fast alle Inhalte auch gratis erspielbar

Negativ


  • im Mittelpunkt des PvE Modus stehen Belohnungen, nicht das Gameplay
  • weiterhin Stabilitätsprobleme

Altersfreigabe


PEGI-18

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